A.2.9.Lucretia Maria Ahrens

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A.2.9.

Lucretia Maria Ahrens

am 27.10.1734 in Fallersleben geboren und am 29.10.1734 getauft, war das neunte Kind des Feldschers, Chirurgen und Ackermanns Johann Gebhard Ahrens ( 1687 - 1771 ) und seiner Ehefrau Sophia Elisabeth, geborene Kühne ( 1700 - 1763 ).

ausweislich des Kirchenbuchs von Fallersleben am 2. Oktober 1732 geboren und am 8. Oktober getauft.

Taufpaten waren :
Lucretia Gertrud Grave und Maria Ahrends aus Braunschweig



"1785
Lucretia Maria Kerrl ist gestorben d. 9. Jan. und ist d. 12. ejusd abends in der Stille begraben worden Alt 50 Jahr 2 Monat 13 Tage"



Ehemann der Fra Grave, die 1774 starb, war der Licenteinnehmer Georg Andreas Grave ( 1671 - 1748 ) aus Fallersleben.( vgl. Häuserchronik S. 207 )

Bei Maria Ahrends ist der Familienname anders als in der bisher üblichen Form geschrieben. Fest steht, daß es sich bei dieser Patin um Maria Dorothea Ahrens geborene Blancke ( getauft 02.03.1702 in Braunschweig, gestorben 12.12.1760 in Braunschweig ) handelt, der Ehefrau des Bürgers und späteren Altmeisters der Kramnadlergilde Heinrich Christian Ahrens ( getauft 20.11.1698 in Braunschweig, gestorben 28.05.1765 in Braunschweig ); sie war somit die Schwägerin des Kindesvaters Johann Gebhard Ahrens, Tante des Täuflings.

Lucretia Maria Ahrens heiratete am 31.10.1758, 24 jährig, in Fallersleben, den Glasermeister und

( von 1757 bis 1766 als ) Bürgermeister ( amtierenden ), 19 Jahre älteren

Mathias Friedrich Kerrll,

der am 22.05.1715 in Königslutter geboren wurde. Er war ein Sohn des Glasers, Bürgers und Brauers Friedrich Kerrll in Königslutter und dessen Ehefrau Catharina Margarete geborene Buchheister. Die Geburtsdaten der Eheleute sind nicht erforscht, ihre Ehe war am 04.10.1711 in Königslutter geschlossen worden. Dort sind sie auch gestorben, die Ehefrau im Alter von 80 Jahren am 10.01.1755.

"1782
Mathias Friedrich Kerrl ist gestorben d. 12. Aug. und d. 15. ejusd Abens in der Stille begraben worden Alt 67 Jahr." (Ehemann)



Mathias Friedrich Kerrll war in erster Ehe ( 1742-1758 ) mit Anna Dorothea Ludewig verheiratet, einer Tochter des Bürgers, Schusters und Kirchenjuraten ( Kirchenältesten ) Jobst Heinrich Ludewig ( 1687-1740 beides in Fallersleben ) und dessen zweiter Ehefrau ( verheiratet 1712 ), einer Tochter des Kirchenjuraten Simon Schmidt. ( Auch die erste Ehfrau ( 1710 ) war eine Tochter dieses Simon Schmidt.) vgl. auch Häuserchronik S. 58 und 84.

Anna Dorothea Ludewig ihrerseits war in erster Ehe ( 1734 - 1741 ) verheiratet mit dem Sattler Christian Wilhelm Dürkop ( 1695 - 1741 ), einem Sohn des Schustermeistes, Ratsmann und Kellerwirtes Andreas Dürkop ( 1660 - 1728 ). Der Ehe entstammen 3 Kinder.





Margarete Dorothea Kerrll

geboren 1735, gestorben 1736

Anna Elisabeth Kerrll

geboren 1737, gestorben 1745

Maria Dorothea Kerrll

geboren 1740, gestorben 1756

Aus der ersten Ehe des Mathias Friedrich Kerrl mit Anna Dorothea Ludewig verwitwete Dürkop stammen vier Kinder.

1. Catharina Maria Kerrl, geboren 1744 und gestorben 1801 beides in Fallersleben, verheiratet 1763 mit dem Metzger Friedrich Jakob Halbauer ( 1725 - 1801 ) beides Fallersleben, einem Sohn des Metzgers und Leinewebers Joachim Heinrich Halbauer, ( 1703 - 1753 ), auch Haluer, Halbuhr geschrieben, und einer Tochter des Heinrich Schulze in Osloß.
2. Anna Margarete Kerrl, geboren 1747 und auch in Fallersleben 1755 gestorben
3. Johann Georg Wilhelm Kerrl, geboren 1749 in Fallersleben, verheiratet 1776 in Dietz; mit wem ist nicht erforscht, auch nicht wann und wo er gestorben ist.
4. Catharina Dorothea Johanna Kerrl, geboren am 14.02.1754 in Fallersleben, 1796 gestorben in Fallersleben, verheiratet am 11.07.1775 in Fallersleben mit August Wilhelm Ahrens, geboren 26.03.1742, gestorben 1797 in Fallersleben, Sohn des Feldschers, Chirurgen und Ackermanns Johann Gebhard Ahrens ( 1687 - 1771 ) und seiner Ehefrau Sophia Elisabeth, geborene Kühne
( 1700 - 1763 ).
Ich halte die Aufnahme dieser Kinder in die Chronik für erforderlich, da wir auf das vierte Kind später nochmals zurückkommen.

Im Kirchenregister Fallersleben finden wir folgende Eintragung

"Am 31.10.1758 wurden copuliert der wolachtbare und Wohlbenamte Matthias Friedrich Kerrll, Bürgermeister in Fallersleben und die tugendsame Jungfrau Lucretia Maria Ahrens, Chirurgi und Bürgere in Fallerleben eheleibliche Tochter im Hause."
Die Trauung wurde im Hause der Brauteltern durchgeführt, da die Kirche baufällig war. Der Turm war bereits 1734 eingestürzt, die Ruine stand 1798. Die Kirche wurde schließlich 1800 abgerissen und ein Neubau begonnen.





Aus einer Abhadnlung des Oberstudiendirektors i.R. Dr. Richard Müller aus Berlin, im Heimatkreiskalender für Gifhorn-Isenhagen 1959 "Die Bürgermeister von Fallersleben" sei hier eingefügt.

Die Tätigkeit der Bürgermeister in den kleinen Landstädten beschränkte sich in der guten, alten Zeit auf einen recht engen Aufgabenkreis. Sie bestand im Wesentlichen darin, die Abgaben und Contributionen einzusammeln, bei Einquartierung das Nötige zu veranlassen, Straßen und Tore in Ordnung zu halten, für die Durchführung der Anordnungen des Amtes zu sorgen und im Auftrage des Amtmanns bestimmte Schriftstücke auszuteilen. Eine eigene Gerichtsbarkeit oder Handlungen der freiwilligen Gerichtsbarkeit stand dem Magistrat und den Bürgermeistern nicht zu. Sie waren also im Grunde Untergebene des Amtmannes.
Gelegentlich mußten sie an diese Tatsache erinnern werden.
Es ist vorkommen, was maßen einige kleine Städte und Fleckens, welche unmittelbahr unter der Ambtsjurisdiction stehen, und dessen Bürgermeister und Ratsverwandte von dem Amte beeydigt und in Pflicht genommen werden, folglich dasjenige, was sie nach sotaner Pflicht bei ihren Diensten zu verrichten haben, nicht jure propio, sondern namens des Amtes verichten, sich nichts desto weniger unterstehen daraus nach und nach ein jus propium zu machen, daher ordentliche Klagen geben die Ämter anstellen und zu solchem Ende viele Zeugen produzieren, daß sie von jeher diesen oder jenen actus angeblicher jurien beständig exerciret und also derselben gleichen Gerechtsahmer wohl angebracht hatten, wozu sie über die hiesigen Landesrechte und Gewohnheiten nicht informierten Doctores in Anspruch nähmen usw. ( 1733 ).
Die erste urkundliche Überlieferung von der Zusammensetzung des Magistrats ist wohl die von 1488, als Herzog Heinrich in Fallersleben weilte und dabei die Bürger Heinemann Fricken, Rießenpaß, Hennig Kruse und Hennig Rieke auf Lebenszeit bestätigte und ihre alten Rechte bekräftigte, von einem jeglichen Wagen, der durch den Ort käme, zwei lübische Pfennige zu nehmen, damit sie für den Fall der Not gesichert wären.
Aus dem 16. und dem Anfang des 17. Jahrhunderts sind aus dem Ratsbuch und den Amtsakten verschiedene Bürgermeister bekannt, von denen jeweils ein erster und ein zweiter miteinander regierten, und von denen bei eintretender Vacanz der zweite in die Stelle des ersten einzurücken pflegte.

In der Verpflichtung wird dem neuen Bürgermeister auferlegt, die Bürgerschaft mit emsigen Fleiße abzuwarten, der Bürgerschaft und Gemeinde bestens in acht zu haben, und insbesondere jedem, soviele ihm zustehet, zu seiner Befugnis gern zu verhelfen, auch die Ratsgebäude und die Tore in gute Verbesserung zu nehmen und sich sonsten nach der Polizeiordnung zu richten und den Bürgern und Einwohnern mit gutem Exempel voranzugehen und sich all so zu verhalten, wie es einem Bürgermeister und ehrlichem Manne wohlanstehet und gebühret.





Von 1750 bis 1757 war Christian Hoffmann, der Urgroßvater des Dichters Hoffmann von Fallersleben, Bürgermeister.

Nach Hoffmann, der Kauf- und Handelsmann war, kam wieder ein Handwerker, der Glasermeister Mathias Friedrich Kerrl, gebürtig aus Königslutter, ans Ruder. Später heißt es, weil man in der eile keinen besseren finden konnte. Es war die Zeit des siebenjährigen Krieges ( 1756 - 1763 ) mit den Durchmärschen, den Einquartierungen und einer gewaltigen Teuerung, in der die Kornpreise auf das Sechsfache stiegen.
Man hat dem Bürgermeister Kerrl, der 1766 abdankte, vielleicht Unrecht getan, wenn man ihn später als unfähig hingestellt hat. Die Aufgabe war ihm über den Kopf gewachsen. Die Abrechnungen in größter Unordnung. Aber auch der 1764 erwählte Ratsherr Schade, der etwas großsprecherisch versichert hatte, sie bald in Ordnung bringen zu können, ist mit dieser schwierigen Aufgabe nicht fertig geworden.
Aus der zweiten, am 31.10.1758 geschlossenen Ehe das Mathias Friedrich Kerrl und Lucretia Maria Ahrens gingen gleichfalls vier Kinder hervor:





1. Johann Gebhard Kerrl, A. 2. 9.I. geboren : 1759 in Fallersleben, gestorben : 1762 in Fallersleben
2. Sophia Dorothea Christiane Kerrl, A. 2. 9.II. geboren : 1760 in Fallersleben, gestorben : 1762 in Fallersleben
3. Johanna Charlotte Kerrl, A.2.9.III. Geboren : 1764 in Fallersleben, gestorben : ?
verheiratet : 1781 in Fallersleben
in 1. Ehe mit dem Bäcker Joachim Bernd ( Bernhard ) Bartram
geboren :--.--.1754 in Fallersleben, gestorben : --.--.1802 in Fallersleben. Ein Sohn des Schafmeisters und späteren Gastwirts Johann Heinrich Bartram ( 1715 - 1764 ) und Ilse Sophia Siedentopf ( 1718 - 1767 ), der Tochter des Sandkrügers und Schafmeisters Hans Heinrich Siedentopf in Ehmen ( verheiratet 1739 ).



Es kann der Vorwurf erhoben werden, daß die Familienchronik der Ahrendts viele Angaben über Personen enthält, die nur als Paten in Erscheinung trete. Dieser Vorwurf kann berechtigt sein. Andererseits kann es Leser dieser Chronik geben ( wieviele übrigens ? ), deren Interesse für Fallersleben und die Vergangenheit größer ist.
So sei noch eingefügt, daß der Vater dieses Schafmeisters und Gastwirts Johann Heinrich Bartram ( 1714 - 1764 ) der Königliche Amtsschafmeister Ulrich Bartram ( 1676 - 1752 ) war, tätig auf der Domäne in Fallersleben. Er hatte seine Laufbahn als Schäferknecht in Barnsdorf begonnen, wurde Schäafer in Rötgesbüttel, Schafmeistger in Fallersleben und heiratete 1708 Sophie Hildberg, eine Tochter des Kotsassen Heinrich Hildberg in Isenbüttel. Die Siedentopfs waren ebenfalls eine Schafmeistersippe, die wie manche ihrer Berufsgenossen, wenn sie Geld genug erschäfert hatten und durch den Verkauf von Wolle zu mehr oder weniger Wohlstand gekommen waren, das Geld als Gastwirt anlegten. Dieser Hans Heinrich Siedentopf hatte sich 1714 mit Anna Maria Fricke, aus dem großen Hofe zu Fallersleben verheiratet. Dieser Hof, der älteste in Fallersleben, war seit etwa 1450 im Besitz ( Lehen ) der Familie Fricke und wurde erst etwa Mitte des 20. Jahrhunderts aufgegeben.
In der 2. Ehe war Johanna Charlotte Kerrl verwitwete Bartram verheiratet mit dem Bäckermeister Anton Georg Heinrich Körner, geboren : ?, gestorben : ?, in Fallersleben.

4. Regina Hedwig Henriette Kerrl, A. 2. 9.IV. geboren : 1769 in Fallersleben, gestorben : ?
Mathias Friedrich Kerrl starb, 72 jährig, am 12.08.1782 in Fallersleben, die Witwe Lucretia Maria Kerrl geborene Ahrens am 09.01.1785, im Alter von 50 Jahren, ebenfalls in Fallersleben.

Wappen der Familie Ahrendts