A.9. Heinrich Christian Ahrens

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A.9. Heinrich Christian Ahrens



Von Heinrich Christian Ahrens wissen wir etwas mehr. Sein Vater, Chirurg und Regimentsfeldscher Diedrich Ulrich Ahrens (1664 - 1718) und seine Mutter Catharina geborene Brackmann, ließen ihn am 20. November 1698 in der St. Katharinenkirche in Braunschweig taufen.





Die Paten waren:

Christian Wilhelm Dörrien

Heinrich Ernst Kreutzberg (ob identisch mit dem bei dem 8. Kind der Eltern genannten Rittmeister Kreutzterg(er), ist nicht bekannt)

Margarete Schwartz ( vielleicht Schwester oder Schwägerin der bei dem 6. Kind der Eltern genannten Patin Elisabeth Schwartz(e)

Anna Ilse Ringemuth

Ernst Curdts.

Die Taufeintragung lautet zwar auf die Vornamen Friedrich Christian, es muß aber ein Irrtum sein, denn die Paten haben die Vornamen Christian und Heinrich und es läßt sich in keinem Kirchenbuche der Stadt Braunschweig die Geburtseintragung, eines Heinrich Christian Ahrens feststellen.

Wir schalten noch einmal zurück: Die Mutter Catharina Ahrens geborene Brackmann war Ende 1698 oder Anfang 1699 gestorben. Der Vater hatte sich wieder verheiratet am 03.10.1699 mit Margaretha Wöhler verwitwete Busch. Diese hatte in die Ehe das von ihrem Manne Franz Busch geerbte Haus Nr. 2757 ( später Meinhardshof 10 ) gebracht und es bei der zweiten Eheschließung auf Diedrich Ulrich Ahrens überschreiben lassen. Diedrich Ulrich Ahrens starb Ende Mai 1718 und wurde am 29.05.1718 in Braunschweig, St. Ulrich, begraben, die Stiefmutter Margaretha Ahrens geborene Wöhler verwitwete Busch am 13.12.1719 gleichfalls St. Ulrich.

Erben des Hauses wurden die Brüder Johann Gebhard und Heinrich Christian Ahrens.

Johann Gebhard überließ das Haus am 03.10.1720 seinem Bruder Heinrich Christian, der in diesem Jahre Meister wurde. Dieser zahlte ihn mit 800 Reichstalern aus, dem halben Wert des Hauses.

Johann Gebhard verläßt später Braunschweig und zieht nach Fallersleben.

Heinrich Christian Ahrens heiratet 12 Tage nach dieser Erbauseinandersetzung, am 15. Oktober 1720 in Braunschweig, St. Ulrich,

Maria Dorothea Blancke.



Diese war in Braunschweig, gleichfalls St. Ulrich, am 02. März 1702 getauft worden, bei der Eheschließung somit 18 Jahre alt. Die Eltern waren

Daniel ( Jürgen ) Blancke, Honigkuchenbäcker, getauft Braunschweig 15.09.1664, begraben Braunschweig 08.11.1729 und Klara Juliane Braunschweiger, getauft in Braunschweig 29.04.1680, begraben in Braunschweig 25.05 1713, Eheschließung in Braunschweig am 14.04.1701.








Von den Großeltern väterlicherseits sind bekannt:

Jobst ( Just, Jost, Jakob ) Blancke, Bäcker,

begraben:

02.02.1704

in Braunschweig

Margarete Raurs

begraben:

22.01.1700

in Braunschweig

Eheschließung:

04.03.1660

in Braunschweig

Von den Großeltern mütterlicherseits sind bekannt:

Heinrich Braunschweiger

begraben:

27.09.1705

in Braunschweig

Marie Hormann

begraben:

23.10.1680

in Braunschweig

Eheschließung:

18.11.1672

Das Haus ( 2757 )geht am 04.11.1756 für 1700 Reichstaler in den Besitz des Franz Georg Ludwig Meyer über. Von diesem erwirbt es Johann Daniel Ahrens, ein Sohn des Heinrich Christian Ahrens, am. 17.03.1757 für den gleichen Preis.

Heinrich Christian Ahrens wurde Kramnadler, das heißt Nähnadelschmied.

Wir erinnern uns, daß der einzige Bruder - wie der Vater - Chirurg wurde. Nun sind die Berufe der Chirurgen und der Kramnadler sich so fremd, daß die Frage auftaucht, wie Heinrich Christian zu diesem gekommen ist. Die Erklärung brachte ein Zufall: Prof. Dr. Franz Fuhse, seiner Zeit Museumsdirektor in Braunschweig, schrieb 1930 ein Buch "Schmiede und verwandte Gewerke in Braunschweig". In diesem Buche ist ein Franz Busch aufgeführt, der 1684 einer der ältesten Messerschmiede der Stadt war. Das braucht nicht zu bedeuten, daß dieser Franz Busch der Ehemann der Margarete Wöhler war, es kann auch der Schwiegervater gewesen sein. Immerhin wohnte er auf dem Meinhardshofe und dieses Haus hatte Diedrich Ulrich Ahrens zweite Ehefrau in die Ehe mitgebracht und auf den Gatten überschreiben lassen.

Da in dem Hause zweifellos eine Werkstatt vorhanden war, lag der Gedanke durchaus nahe, sie auch zu nutzen.

Von dem Nadler Heinrich Christian Ahrens ist im Text des Buches nichts enthalten. Nur im Anhang ist erwähnt, daß er 1720 Meister wurde und auf dem Meinhardshof wohnte. Bekannt ist aber auch aus im Stadtarchiv Braunschweig befindlichen Gildeakten, daß er Altmeister der Kramnadler wurde und noch im Jahre 1763, 65jährig, zwei Jahre vor seinem Tode, an einer Gildemeisterversammlung teilnahm.

Prof. Fuhse gliedert die Schmiede und verwandten Gewerke, die ursprünglich nur in einer Gilde zusammengefaßt waren, in 10 große Gruppen:

1.) Grobschmiede

2.) Kleinschmiede

Schlosser oder Fronwerker

Sporer

Büchsenmacher oder Büchsenschmiede. - Büchsenmeister Uhrmacher, Seigermacher
( Zeigermacher )

Schwertfeger ( Waffenschmiede ) - Messerschmiede - Kunst - Messer- Instrumenten- und Scheren- Schmiede Nagelschmiede.

3.) Sägen- und Zeugschmiede ( Bohr und Zirkelschmiede )

4.) Platenmekere und Harnischmacher

5.) Damasculierer Damascierer, Damaschierer Masculierer ( das waren freie Künstler, die Waffen und Waffenteile auf verschiedene Art verzierten, durch Vergolden, Versilbern und Blauen, Einlegen in Holz, durch Ätzen und Eisentreiben )

6.) Eisenschneider, Stahlschneider, Stempelschneider, Siegel- und Wappenschneider. - Eisentreiber )

7.) Beckenwerken ( Beckenschläger, Beckenmacher )

8.) Kupferschmiede

9.) KIempner

10.) Nadler, Kramnadler, Kram- und Heft-Nadler - Stecknadler.

Es ist nicht uninteressant, mehr über die Gilde und über die damaligen Verhältnisse zu erfahren. Darum einige Abschnitte aus dem Buche:

"Das Braunschweiger Handwerk, das im Mittelalter der Größe und Bedeutung der Stadt entsprechend stark und weit ausgreifend war, blieb auch im 16. Jahrhundert auf der Höhe und wurde in mehreren Zweigen in der zweiten Hälfte für die Städte der weiteren Umgebung führend. Die Kleinschmiede sowohl, wie die Kupferschmiede und Schwertfeger des Bezirks Hannover - Göttingen - Halberstadt - Magdeburg - sahen in Braunschweig ihren Vorort Die alten Beziehungen zu den Seestädten haben sich gelockert, sind teilweise sogar. gar fast feindlich geworden. Statt dessen gehen die Verbindungen mehr nach Thüringen und Sachsen. Auch der Handel mit Handwerkerware führt in diese Gebiete besonders und nach Brandenburg, der Waffenhandel im 16. Jahrhundert weiter bis Dänemark Königsberg, Polen und Ungarn.

Hatte das Braunschweiger Handwerk den großen Krieg, noch leidlich überstanden, so erlitt es durch den Übergang der Stadt in fürstliche Gewalt 1671 eine schwere Erschütterung. Die Landesregierung ging von vornherein darauf aus, seine Macht zu brechen.

Hatte das Braunschweiger Handwerk den großen Krieg noch leidlich Überstanden, so erlitt es durch den Übergang der Stadt in fürstliche Gewalt 1671 eine schwere Erschütterung. Die Landesregierung ging von vornherein darauf aus, seine Macht zu brechen. Die Gildekassen wurden beschlagnahmt, die Bestätigung der Ordnungen und Gerechtsame hinausgeschoben und damit die eigene Gildejustiz lahm gelegt. Größere Verbände lösten sich auf. Eisen, Kupfer und Messing mußten von den Harzer Werken bezogen werden. Wenn es sich um gemeinnützige Anlagen handelte, wie z.B. die städtische Beleuchtung, wurden die Gildekassen geschröpft. Freimeister erhielten leicht eine Konzession auch ohne persönliche Eignung wenn sie im Dienste des Fürsten gestanden hatten. Andererseits war das Bestreben der Regierung, jedem Einzelhandwerk eine besondere Gildeordnung zu geben, die Meisterstücke zu vereinfachen und den täglichen Bedürfnissen anzupassen. Die Bezahlung der Gildekommisare wurde abgeschafft, die Einführung von Fabrikbetrieben gefördert und dadurch eine größere Bewegungsfreiheit im Handel zu erzielen gesucht. Die neue Zeit ist eingeleitet. Als die Franzosenzeit dem Gildewesen ein gewaltsames Ende bereitete war von seiner alten Macht und straffen Zucht schon nicht mehr viel zu spüren gewesen Was nachher wieder erstand, hatte ein neues Gesicht und war nur in einigen Äußerlichkeiten dem Alten noch ähnlich".

"Zwistigkeiten zwischen den einzelnen Handwerken der Schmiedegilde rühren mit von der schlechten Finanzwirtschaft die von den geschworenen Meistern reichlich eigenmächtig getrieben wurde, her. So kam es denn 1588 zu ernsten Konflikten zwischen den jungen.

Gildebrüdern und Meistern und den geschworenen Meistern, die am 25. November desselben Jahres durch einen Vergleich beigelegt wurden, der bestimmte: 1. der Vorrat der Gilde an Geld, Kohlen und anderem soll durch fünf Bürgermeister der fünf Weichbilde neben den geschworenen ältesten Meistern besichtigt in ein Inventarium aufgenommen werden. 2. Den ältesten geschworenen Meistern sollen jährlich fünf andere junge friedsame Meistern aus jedem Weichbilde einer, die durch die meisten Stimmen erwählt und jährlich umgewechselt werden, zugeordnet werden, die neben der. Ältesten die gewöhnlichen Morgensprachen halten, die begangenen Exzesse strafen helfen und allen Sachen und Händeln mit beiwohnen

sollen. 3. Stirbt einer der ältesten soll dessen Stelle durch ordentliche der ganzen Gilde in demselben Weichbilde nach den meisten Stimmen, und nicht durch die Ältesten allein erfüllet und ersetzt werden. 4. Ein Schreiber soll zugeordnet werden, der neben, dem jetzigen die jährlichen Rechnungen zu Buche trägt. 5. Die übermäßigen Collationes werden eingestellt. Jährlich nur drei Morgensprachen. Auf einer Morgensprache darf nicht mehr als 3 Mark verzehrt und aufgewendet werden. 6. "Was aber letztlich von wegen der Jungen jährliches fallen wirdt, soll wie vor Alters unter die geschworenen Meister, und die ihnen zugeordnete junge Meister gleich aufgetheilet werden."

Einen wesentlichen Anteil an der Finanzlage hatte der Steinkohleneinkauf. Es war Vorschrift, daß die Kohlen von der Gilde durch vereidigte Käufer angeschafft, im Kohlenhause auf der Schützenstraße untergebracht, dort von bestimmten Meistern betreut und ausgegeben wurden. Aber bereits im 16. Jahrhundert muß der Rat wiederholt den Vorkauf durch einzelne Meister verbieten, d. h. begüterte Meister hielten sich nicht an die Vorschrift sondern kauften bei günstiger Gelegenheit die Kohlen fuderweise auf eigene Rechnung in ihr Haus. Das Verbot des Rates blieb unbeachtet. 1699 berichten die zeitigen Gildemeister der ehrlichen Schmiedegilde daß viele Gildebrüder bei gutem Wetter und Wegen ankommende Steinkohlen vor sich in private aufkaufen. Bei erhöhtem Preis und Teuerung kommen die Kohlen erst an das Gildehaus. Es wird beantragt, daß die Verkäufer der Gilde 9 Mariengroschen von jedem Fuder erlegen, oder sich des Steinkohleneinkauf von den Bauern enthalten. Aber auch dieser Vorstoß nützt nichts. 1701

sind die Verhältnisse noch die gleichen. Die Schmiedegilde war durch diesen unerlaubten Kohleneinkauf in Schulden geraten, die außerdem durch einen schlimmen Eisenhandel eine Höhe von 1000 Talern erreicht hatten. 1683 am 12. Oktober nämlich schließen die Grobschmiede mit den Eisenfaktoren in Blankenburg und Braunlage, Tobias Groven und Christian Wolter, wegen Vertreibung einer Partei Eisen folgende Handlung ab: Die Schmiedegilde nimmt zwischen hier und Michaelis 1684, 2000 Zentner vom Blankenburger Eisen, und zwar 1600 Zentner zweigeschmolzen Stab- und 400 Zentner krauß Eisen ab zum Vertreiben. Fuhrlolun von der Hütte bis Braunschweig zahlt die Schmiedegilde Alle in der Stadt und vor den Toren wohnenden Schmiede und Gildebrüder sind verpflichtet, ihr Eisen nur von den Ältesten der Schmiedegilde zu erhandeln.

Dieser Kontrakt hatte für die Schmiedegilde sehr üble Folgen. Schon im folgenden Jahre werden die ältesten Meister Hans Must, Hans Köchy, Hans Coilken und Adrian Brachmann falschen Kontraktes bezichtet wegen des Eiseneinkaufs, und 1687 beantragen die bisher regierenden Meister Dietrich Berens, Hans Nieper, Paul Kner und Andreas Spangenberg, daß Hans Köchy und Hans Must, die als Vertreter der dritten Schürze in wenigen Tagen auflegen und schwören müssen, nicht zugelassen werden, da ihnen das Vertrauen fehlt. "Sie haben die Gilde um groß Geld gebracht."

Aus einer Beschwerde von 1699 erfahren wir, daß die Schmiedegilde infolge jenes Kontraktes mit den Eisen-Faktoren auf dem Harze in einen so kostbaren Prozeß geraten ist, daß sie auch über Anschaffung der bloßen Gerichtskosten ganz erschöpft worden, über dem so unglücklich gewesen, "daß die Urthell contrair aufgeschlagen."

Diese katastrophale Verschuldung führte dann 1706 zur Trennung der Schmiedegilde in die Grobschmiede- und Kleinschmiedegilde, die aber auch ohne diesen Anlaß gekommen da es das Ziel der Landesregierung war, allen Handwerken eigenes Gilderecht zu geben, und die durch bewußte Zögerung in der Bestätigung der alten Handwerksordnungen Unruhe und Unzufriedenheit in das sonst straffe Gilderegiment brachte. Die Autorität der geschworenen Meister war erschüttert, die Strafbefugnis der Gilde in Frage gestellt. Deshalb drängt auch die Schmiedegilde 1680 auf gnädigste Confirmation ihrer althergebrachten Gildeordnung und Gerechtigkeiten: "Fast kein Gildebruder will sich mehr regieren, zwingen oder strafen lassen." Als Empfehlung leitet sie ihr Gesuch ein mit der Erwähnung, daß sie das Schlag-Uhrwerk in dem Andreasturm, das durch Wetterschaden vernichtet war, auf ihre Kosten hat wiederherstellen lassen."

Nach diesen allgemeinen Ausführungen nun Besonderheiten über Nadler, Kramnadler, Kram- und Heft-Nadler, Stecknadler.

"Nadler und Stecknadler waren in Braunschweig von jeher getrennte Handwerke. Aber während die Nadler nachdem sie bereits 1563 eine vom Rate confirmierte Handwerksordnung, die 1699 und 1740 von der Regierung bestätigt wurde, erhielten, blieb die Ordnung der Stecknadler von 1620 und 1724 unbestätigt. Diese hatten dadurch den Nadlern gegenüber einen schweren Stand, wie sie bei ihren langwierigen Prozessen - sie dauerten von 1725 - 1731, wurden 1767 wieder aufgenommen und kosteten beiden Parteien schwere Gelder - zu ihrem Schaden erfahren mußten.





In der Nadler-Gildeordnung stand: "Es soll auch keiner, so mit dem Handwerk nicht einig und demselben verwandt ist, in dieser Stadt einzige Nadler Wahren, alß allerley Arbeit, so auß eisen und messingen Draat verfertiget und mit dem Hammer, kleinen Amboßen und Zangen gezwungen werden kann, item Gatter und Drahtsiebe und allerhand Senkelnadeln, ingleichen allerley kurze Nürnberger und Schmalkalder wie auch Steyersche Wahren wie die Namen mögen item allerley Zwirn, Band, wüllene Schnüre respektive zu verfertigen und zu führen zugelassen seyn." Ihre Hauptware bestand außerdem in Stricknadeln, Haken und Ösen, Hecheln und allerhand Gitterwerk.

Man sieht, die Nadler waren vielmehr Händler, als Handwerker, wie sie denn auch auf den Messen und Jahrmärkten herumzogen und ihre Waren in Buden feilhielten. Ihre Nahrung bestand nach eigenen Angaben hauptsächlich in dem Absatz der Ware auf den Jahrmärkten. Es war also nur gerechtfertigt, daß sie sich im Laufe der Kämpfe mit den Stecknadlern, um sich von ihnen besser zu unterscheiden, die Bezeichnung Kram-Nadler zulegten. Aus dem Wortlaut ihrer Ordnung glaubten sie schließen zu dürfen, daß ihnen auch die Herstellung und der Vertrieb von Stecknadeln zustehe. Dadurch aber, fühlten die Stecknadler sich naturgemäß in ihrer Existenz bedroht, denn sie fertigten und handelten nur mit Stecknadeln und Haarnadeln. Es hatten früher diesen Zustand die Nadler indirekt auch dadurch anerkannt, daß jeder zuziehende Stecknadler schwören mußte, sich des Nähnadelmachens und was dazu gehört, gänzlich zu enthalten. Die Stecknadler führten dagegen an, zum Knopfnadelmachen gehöre nicht jenes in der Meister-Ordnung angegebene Handwerkszeug, sondern spezielle Instrumente, nämlich hauptsächlich 1. eine Ziehbank und Zieheisen, worauf der Draht zu den Nadeln gezogen wird, nebst Durchschlägen; 2. ein Spitzrad nebst den dazugehörigen Spitz-Feilen; 3. Schlage-Wippen nebst dazugehörigen Stempeln, vermittels welcher die Knöpfe auf die Nadeln geschlagen werden; 4. Ebstempels, womit die sub Nr. 3 benannten Stempeln, wenn sie schadhaft sind, wieder repariert werden müssen. Selbiger ist von Stahl und wird von ihnen selbst gemacht. Die anderen Stempel sind zwar auch von Stahl, werden aber von den Zeugschmieden gemacht; 5. Schaft-Scheren, die zum Abschneiden des Drahts gebraucht werden; 6. Knopf-Scheren zum Abschneiden der Knöpfe; 7. Knopfrad, worauf. die Nadelknöpfe gedreht werden; 8. Dreyhöltgens, durch die der Draht zu den Knöpfen gedrehet würde und von Holz sind; 9. Hämmer; 10. kleine Hand-Feilen; 11. Richt-Hölzer, durch welche der Draht. gleich und eben gemacht wird; 12. Nadel-Maßen, wonach die Länge der Nadeln verarbeitet wird,

Schon 1719 war per sententiam in richtiger Würdigung der Sachlage den Nadlern das Knopfnadelmachen verboten. Aber sie setzten sich darüber hinweg, ließen sich verklagen, erhoben Gegenklage, riefen die zweite Instanz an und reichten Eingabe um Eingabe beim Herzoge ein. Dadurch erreichten sie, daß erst 1772 am 22. Januar eine scheinbar endgültige herzogliche Entscheidung fiel, nach der die Verfertigung der Stecknadeln künftig den Stecknadlern allein zufallen solle. Aber die Kram-Nadler gehen nochmals an den Herzog und erreichen, daß wenigstens die Kram-Nadler Heide und Wockewitz am 12. November 1772 die Konzession, auf ihre Lebenszeit Stecknadeln zu machen, erhalten. "In Ansehung der übrigen Kramnädler hat es bei der Verordnung vom 22. Januar 1772 sein Bewenden."

Und nicht nur mit den Stecknadlern, auch mit den Schuhmachern, .den Riemern, Sattlern, Beutlern und Senklern führten die Nadler Prozesse um Herstellung und Handel mit einigen meist unbedeutenden Gegenständen, so daß man sich staunend fragt, ob denn die hohen Ausgaben für Gerichtskosten, Schreib- und Anwaltsgebühren usw. und der große Aufwand an Zeit für die Meister durch die Vernehmungen auch nur im kleinen Verhältnis zu den erwarteten Ergebnissen gestanden haben können.

Seit 1572 hatten die Nadler ein geschlossenes Handwerk, nur 12 Werkstätten, "nur 12 Tische" auf dem Markte waren zugelassen. Kein Meister soll an zwei Orten gleichzeitig feilhalten, weder in noch außerhalb Braunschweigs zu freien Märkten, noch sonst in Städten, Flecken oder Dörfern, auch nicht durch seine Frau, Kinder oder Gesinde. In seinem eigenen Hause und auf seinem Fenster darf er aber jederzeit frei halten. Jeder Meister war verpflichtet, den Verkaufsstand des anderen zu respektieren und ihm keine Konkurrenz zu bereiten. Ein Meisterstück wurde erst mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt: ein Vogelbauer und ein Erdsieb. Als die Meister aber 1766 versuchen, auch die Anfertigung von Stecknadeln in das Meisterstück mit aufzunehmen, fällt die Regierung auf diesen Trick, der die Ansprüche der Stecknadler lahm legen sollte, nicht herein, sondern verbietet diesen Passus.

Ursprünglich war die Nadlergilde in Braunschweig das Hauptquartier der weiteren Umgebung, ihr waren auch die Quedlinburger angeschlossen, aber schon 1686 gründeten sie zusammen mit den Senklern dort ihr eigenes Handwerk.

Für das Legen des Handwerks oder das Schimpfen ist bei den Nadlern der Ausdruck "Fußhaltung" üblich. Der Meister Philipp Grote in Braunschweig ist während seines Gesellenstandes dem Krugvater in Nürnberg 2 Kaisergulden schuldig geblieben. Deshalb wird vom Nürnberger Handwerk aus 1658 die Fußhaltung über ihn verhängt. Erste nachdem die Schuld beglichen ist, erklärt Nürnberg 1660, daß die Fußhaltung nicht weiter fortgehe. 1661 verlangt das Dresdner Handwerk einen Bericht, ob die Braunschweiger dem Philipp Grote während seiner Zeit der Fußhaltung "Gesinde, als Gesellen und Langunger haben in Arbeit zukommen lassen und wenn ja, wie die Gesellen oder Langunger geheißen. Denn die Gesellen würden natürlich auch unehrlich geworden und gezwungen sein, mit dem Handwerk sich abzufinden. Für den Namen Langunger habe ich keine Erklärung.

Die Stecknadler machen erst 1760 ein Meisterstück, das aus 1 Pfund Stecknadeln großer, 1 Pfund mittlerer und 1 Pfund kleiner Sorte besteht, und zwar jede Sorte auf sechs Briefen. Arbeitszeit 14 Tage. Auch sie klagen, wie die Kupferschmiede, über die staatlichen Anstalten, von denen sie ihre Ware nehmen müssen. 1760 erklären die Meister, an Arbeit fehle es ihnen nicht, wohl aber an Draht, der zwar "auf der Oker" ( auf dem Hüttenwerke in Oker ) gemacht, aber in andere Länder versandt würde. Und 1764 beschweren sie sich über das Berghandlungskontor, das den Louisor nur für 4 Taler 16 Gutegroschen annehmen will.

In einem Streite mit den Kram-Nadlern führen die Klempner 1771 folgende Waren an, mit denen die Nadler zu Unrecht handeln.

" 1.) Messing und Blechern Hand- und Stall-Leuchten allerhand Sorten. - 2.) Allerhand blecherne stehende Lampen, wie auch weiß und schwartz Blechern henge Lampen. - 3.) Messing und blechern Verbind Zeige vor die Feldscherr. - 4.) Allerhand Messing und Blechern Rauch und Schnup Toback dosen. - 5.) Messing und blechern Feder Penahls. - 6.) Allerhand sorte Messing und Blechern Geld Büchsen. - 7.) dito et dito Nahdel Büchsen. - 8.) Blechern Klappern. - 9.) Blechern Freß-Geschirr vor Vogel. - 10.) Blechern Muscat-Reiben. - 11.) Weiß und schwartz blechern Ribb Eisen. - 12.) Blechern Reiben auf hölzen Bretter. - 13.) Blechern Löffel. - 14.) Messing Schurtz: Fell: Schlösser. - 15.) Meßing Zunder Büchsen. -"

Wie die Nagelschmiedmeister wiederholt hervorheben, besteht ihre Arbeit in Nägeln und Schusterspinnen und sie müssen sich bei beschränktem Geschäftsumfange wie die Sporer dauernd gegen di Konkurrenz der Kaufleute und fremden Händler wehren, zumal der ihnen vom Rate 1636 zugesagte Schutz verklausuliert war, nämlich daß nur dann der Handel mit Nägeln anderen verboten werden sollte, wenn die von den hiesigen Meistern verfertigeten Nägel ebenso gut und preiswert seien, wie die auswärtigen.

Die Kämpfe gehen bis ins 19. Jahrhundert. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde einer beschränkten Anzahl von Kramnadlern gestattet, mit auswärtigen Nägeln zu handeln. Dadurch wurde die Lage der Nagelschmiede noch schwieriger, wo sie zwischen conzessionierten und nicht conzessionierten Kramnadlern unterscheiden mußten.

Die Nadler scheinen auch ohne Rücksicht auf die besondere Erlaubnis nach wie vor sämtlich mit Nägeln gehandelt zu haben, so daß 1860 die Nagelschmiede klagend gegen 14 Kramnadler vorgehen."

Aus der ehe Heinrich Christian Ahrens mit Maria Dorothea Blancke gingen 10 Kinder hervor. Da bisher ( 1968 ) nicht alle namentlich bekannt sind und auch von den bekannten eine anzahl Daten der Geburt, der Heirat und des Todes fehlt, soll Aufführung am Schluß dieser Nachrichten erfolgen.

Interessant ist, daß Heinrich Christian Ahrens einigen seiner Kinder die gleichen Vornamen gab, die der Bruder Johann Gebhard für seine Kinder gewählt hatte.

Von den Söhnen Heinrich Christian Ahrens wurde einer - wie der Vater Kramnadler, ein ander Gelbgießer, ein weiterer Klempner; sie blieben damit im Grunde genommen in der großen Gruppe der "Schmiede und verwandten Gewerke".

Daß die Eheleute Stammeltern blühender und interessanter Familien wurden, sei am Rande vermerkt.

Maria Dorothea Ahrens geborene Blancke starb im Alter von 58 Jahren am 12. Dezember 1760 an Brustkrankheit und wurde am 16. Dezember in Braunschweig, St. Ulrich, begraben. Der Gatte Heinrich Christian Ahrens starb, 68jährig, 4 Jahre später, am 28. Mai 1765 an auszehrender Krankheit und wurde am 31. Mai 1765, gleichfalls in Braunschweig, St. Ulrich, begraben. Hiernach scheint festzustehen, daß beide an Lungentuberkulose starben, die man damals auszehrende Krankheit nannte.

Und nun die Nachträge:

Maria Dorothea Blancke wurde am 02. März 1702 in der Kirche St. Ulrich in Braunschweig getauft.

Paten waren:

Berend Gumbrecht (der interessanter weise auch 1722 Pate beim 1. Kinde der Eheleute Heinrich Christian Ahrens und Maria Dorothea Blancke war)

Fr. Emma Emerenze (hier muß wohl ergänzt werden "des") Daniel Denecke(n)

J(ungfrau) Maria Lisgen Voitländer.

Es folgen die Namen und Taufdaten der 10 Kinder, die sämtlich in Braunschweig geboren und in St. Ulrich getauft sind:



1. Berend Johann Daniel

Arens

getauft

11.01.1722

2. Johann Gebhard

Arens

getauft

14.12.1723

3. Anna Dorothea

Arens

getauft

19.11.1724

4. Ilsa Maria

Arens

getauft

19.06.1727

5. Johann Heinrich

Arens

getauft

20.02.1730

6. Gebhard Heinrich

Arens

getauft

11.05.1732

7. Christoph

Arens

getauft

27.06.1734

8. Georg Christian

Arens

getauft

09.09.1736

9. Juliana Elisabetha

Arens

getauft

30.10.1738

10. Andreas Christian

Arens

getauft

24.07.1741

Wappen der Familie Ahrendts