A.9.6. Gebhard Heinrich Ahrendts

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A.9.6. Gebhard Heinrich Ahrendts (Ahrens)

getauft:

11.05.1732

in Braunschweig

Beruf:

Klempnermeister, Brauherr und Bürger

gestorben:

24.04.1804

in Bernburg / Saale

verheiratet:

21.11.1756

in Bernburg (St. Nikolai(

mit

Charitas Sophie Friederike (geborene Fricke)

getauft:

10.02.1735

in Bernburg / Saale

gestorben:

09.07.1800

in Bernburg / Saale

(Die Originale dieser Ölbilder befanden sich zuletzt im Besitz des Amtsgerichtsrats Heinrich Ahrendts in Breslau, wurden dort aber 1945 im Inferno des Krieges vernichtet.)

Den Eheleuten Heinrich. Christian Ahrens (1698 - 1765) , Bürger, später Altmeister der Kramnadlergilde und Dorothea (1702 - 1760) wurde in Braunschweig ein weiterer Sohn geboren, der in der Taufe in der St. Ulrich Kirche am 11. Mai 1752 den Namen

Gebhard Heinrich Ahrens

erhielt. Zur Einfügung in diese Familienchronik liegt keine Abschrift der Taufeintragung vor. Wir wissen jedoch aus einem Bericht, daß zu den Paten Johann Gebhard Ahrens gehörte, der Onkel (1687 - 1771), der seit 1721 Feldscher, Chirurg und Ackermann in Fallersleben war (Ehefrau Sophie Elisabeth geborene Kühne - 1700 - 1763).

Gebhard Heinrich Ahrens erlernte das Klempner-Handwerk. Es erscheint nicht uninteressant, über diesen Beruf in damaliger Zeit etwas zu erfahren. Daher soll hier ein Kapitel aus dem 1930 erschienenen Buche des Prof. Dr. Franz Fuhse, seiner Zeit Museumsdirektor in Braunschweig, "Schmiede und verwandte Gewerke in der Stadt Braunschweig" eingefügt werden:

Klempner

"Klempner oder Isern Luchtenmaker, wie sie ursprünglich genannt wurden ( noch 1651: Ordnung der Meister des ehrlichen Eisen Leuchtenmacher oder Klempner Handtwercks ), erwähnt das Braunschweiger Urkunderbuch nicht.

Sie nannten sich Isern Luchtenmaker im Gegensatz zu den Holten Luchtemakern, aber es erscheint zweifelhaft, ob ursprünglich ein Unterschied zwischen diesen beiden Handwerken bestanden hat. In

Hamburg war 1532 bzw. 1548 der Unterschied offenbar schon durchgeführt, denn aus dem in der Rolle von 1548 vorgeschriebenen Meisterstücke geht deutlich hervor, daß wir es mit den Isern Luchtenmakern zu tun haben. In Lübeck dagegen besagt die Vorschrift für die Apengeter von 1483, wie schon in ihrer Rolle von 1452 ihnen das Fertigen von Handluchten zugestanden war: "de apengeter scholen mogen maken missinges, isern, kopperne unde blickene Handluchten, so man mit deme hamer wercken mach und de luchtenmaker schollen koeluchten ( Stallateren ) unde andere holten luchten maken, so se von oldinges to doende plegen... "Hier also wurden die blechernen Laternen von den Apengießern gefertigt, während die Luchtenmaker sich auf hölzerne zu beschränken hatten. Im Laufe des 16. Jahrhunderts entwickeln sich indessen auch in Lübeck die Isernluchtenmaker neben den Holtenluchtenmakern. Diesen wird 1583 nachgegeben, gleich jenen allerhand Laternen, eiserne wie hölzerne, zu flicken und auszubessern, "doch mit den horen, so se sulvest bereden, ock datt olde horn upschaven und klarer maken". Aber ganz gesichert scheinen diese Zustände nicht gewesen zu sein, was wohl daran lag, daß die Klempner im allgemeinen erst spät eine confirmierte Ordnung erhielten. 1624 erkundigen sich die Magdeburger Klempner und eisern Leuchtenmacher beim hiesigen Handwerk nach ihrem Verhältnis zu den hölzernen Leuchtenmachern und erhalten am 14. Dezember die Antwort, daß die hölzernen Leuchtenmacher nichts mit ihrem Handwerk zu tun haben. Jene aber schreiben 1625, 30. Januar, an die Leuchtenmacher in Magdeburg, daß sie eiserne, blecherne wie hölzerne Leuchten zu machen berechtigt seien. "Auch in Lübeck und anderen Städten an der See, woselbst unser Handwerk floriert, ist es so üblich". Schon 1620 hatten sie in Braunschweig mit den Klempnern in Streit gelegen, und erst, als der Rat am 12. August 1631 eine "Ordnung der Meister des ehrl. Eisen Leuchtenmacher oder Klempner Handtwercks in Braunschweig" erließ, wurde das Arbeitsgebiet der Klempner fest umschrieben. Die hölzernen Leuchtenmacher haben nie eine eigene Ordnung erhalten, werden auch später nicht mehr erwähnt.

Über die Abgrenzung ihres Arbeitsgebietes gegen das der Beckenschläger geben die hiesigen Klempner-Amtes zu Rostock 1783 Auskunft. In Braunschweig gibt es zwar seit pptr. 40 Jahren keine Beckenschläger mehr, aber es sei richtig, daß kein Beckenschläger, sondern nur ein Klempner berechtigt sei, weiße blecherne Waren zu verfertigen und feil zu halten. Auch habe der Klempner das Recht, messingene Ware, die mit Zinn gelötet sind, zu verfertigen und zu verkaufen. Endlich erstreckt sich die Befugnis eines Beckenschlägers nicht weiter, als solche messingene Waren zu machen, wovon die Näthe des eigentlichen Corpus im Feuer gelötet sind. Das Schriftstück schließt: "Noch müssen wir anführen, wie in dero Schreiben durchgehends sich das Wort Bleckenschläger befindet. Da wir nun vermuten, daß dieses ein Schreibfehler sei, und solches vielmehr Beckenschläger heißen solle, maaßen unsere hiesige Gilde sich sowohl Klempner als auch

Bleckenschläger nennen, und wir nicht anders wissen, als daß diese gedoppelte Benennung auch anderer Orten gewönlich. ist, mithin ihr dortiger Gegner ein Beckenschläger sei, weil dergleichen Leute von unserer Gilde ganz separirt sind; So wir uns bei Übermachung, obgedachter Kosten zugleich eine gütige Nachricht aus...

Die Materialien, die der Klempner verarbeitet, sind Messingblech, weiß und scharz Eisenblech und Blei. Und der Gegenstände, die er fertigt, sind so viele und so mannigfaltige, daß manr es 1756 ablehnt, ein Warenverzeichnis auf zustellen.

1651 waren neun Meister hier ansässig. Aber bald darauf ging es mit dem Handwerk stark bergab. Schon 30 Jahre später, am 30. Dezember 1681 bitten die drei Meister des Klempnerhandwerks: Conrad Thysen (Thiessen, Thieß), Detlef Bornemann und Melcher Thysen (Sohn von Everdt Th.), zurzeit die einzigen hier , von denen einer Witwer ist und einer Podagra hat, daß sie von den Quartalssitzungen unter Vorsitz eines Ratsherrn entbunden werden wegen der Kosten. Seit drei Jahren hätten sie nichts zu klagen gehabt. Bei der Gelegenheit erfuhr die Regierung, die den Antrag der Bittelsteller genehmigte, daß der Gildekommissar für seine Tätigkeit sich bezahlen ließ. Sie gab deshalb dem Rate auf, ernstlich darüber zu wachen, daß solche und dergleichen selbstgemachte Accidentien abgestellt würden. Die zugeordnete Ratsperson dürfe keine Kosten liquidieren.

Erst allmählich hob sich das Handwerk wieder. 1755 waren zehn Meister mit zusammen sechs Gesellen und fünf Lehrlingen tätig.

Der Werdegang eines Klempners bewegte sich in den allgemein beim Handwerk üblichen Bahnen. Der eingezeugte Lehrling hatte vier Jahre zu lernen. Das Lossprechen bzw. das Gesellenmachen geschah nach einem bestimmten Zeremoniell, daß aber in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts außer Acht gelassen war. Die Gesellen bitten deshalb 1770, es wieder einzuführen, weil sie, hier nur Jünger genannt, an anderen Orten nicht gut fort könnten und nicht zum Meisterrecht gelangten. Das Zermoniell besteht aus folgenden Teilen:

1. Der Jünger oder Ausgelernte macht ein Gesellenstück zum Zeichen, daß er was gelernt und erforderlichen Falls zum Exempel bei einer Witwe einer Werkstätte vorstehen kann. 2. Beim Aufweisen des Gesellenstücks hält er eine Rede an Meister und Gesellen Gegenwart des Gilde-Commissars, worauf sein Stück geprüft wird. 3. Ist das Gesellsnstück tüchtig befunden, wird der Jünger zum Gesellen deklariert und erhält ein Attestat und einen Kranz zum Ehrenzeichen. "Behauen, Bestoßen oder Hubeln oder dergleichen passierten nicht." 4. Zum Schluß gibt der neue Gesell seinen Kameraden einen kleinen Schmaus, womit das Zeremoniell beendet ist.

Der Geselle muß zwei Jahre wandern und, wenn er Meister werden will, er vorher bei einem hiesigen Meister zwei Jahre - die sogenannten Mute (althochdeutsch: muotôn muaten, mittelhochdeutsch muoten = Verlangen haben, begehren) - zu arbeiten. Da das Klempnerhandwerk ein geschenktes Handwerk war, so mußte der Geselle, der von seinem Meister Abschied genommen hatte, sich ein Vierteljahr der Arbeit am selben Orte enthalten.

Das Meisterstück bestand nach der Ordnung von 1651 aus drei Teilen: einem nur aus Messing, einem nur aus Eisenblech und einem aus Messing und Eisenblech hergestellten Stücke. Es wird demnach bestimmt: 1. eine große Messingleuchten, der Kopf oben mit dreyen Absätzen, unter drittehalb vierteil EIlen (ca 36 cm breit, mit einem gedoppelten Boden und fünf Röhren, von dem Boden bis an den Knopf einer Ellen hoch, die Stäbe fein zierlich ausgearbeitet, imgleichen der Knopf und der Ring". Da diese große Laterne sich als unbrauchbar mit fortschreitender Zeit erwies, so wurde 1759 statt ihrer die Anfertigung einer "messingen Schreibchatoul mit einem gedoppelten Boden und Schiebladen, welcher von auswärts nicht zu sehen und worin einige Bogen Papier in Folio könnten gelegt werden, nebst der darin benötigten Abteilung mit Tintenfaß und Sandbüchse, auch mit einem erhobenen gebognen Deckel versehen" gestattet, oder auch seit 1785 eine Teemaschine ganz aus Messing, wozu der Riß gegeben wurde. Daß man übrigens die große Laterne nicht ganz aufgab, zeigt ein Stück, das 1842 von Georg Gebhard Albert Gauß (Weberstr. 6) als Meisterstück gefertigt wurde. - 1755 hatten bereits einige Meister vorgeschlagen, an Stelle der großen Laterne eine hohe messingne Steillaterne mit Horn vorzuschreiben, der Vorschlag fand aber keinen Anklang, weil solche Laterne über 6 Taler komme und von Bedienten leicht könnte zerbrochen werden. 2. "Einen blechernen Knopf oben mit einer Fahnen, und fein zierlich ausgemachet, der Knopf an sich allerseits kugelrund, in die Höhe sowohl als Breite". (Statt dessen ist später - 1735 - gestattet "Eine blecherne Urne oder Vasen 4 Fuß hoch nach eigenem Riß"). 3. "Eine zusammengelegte Leuchte (Plattdeutsch: Leggelüchte), unten und oben gleich weit, also daß die Fugen ineinander schließen, drei Teile mit Horn und das vierte mit f einer getriebener Arbeit, und

ein Handgefäß daran, welches man könne niederschlagen, den Kopf mit Laubwerk durchgebrochen und dazu ein futter (Futterteil) mit aufgetriebener Arbeit und in demselben ein Feuerzeug, Tintenfaß und Streubüchse.

Dieses letzte Stück ist, obwohl es nur sehr geringe praktische Bedeutung besitzt, bis in das 19. Jahrhundert hinein stets beibehalten, weil an ihn am besten die Fähigkeit sauberer und präziser Arbeit beachtet werden konnte."

Gebhard Heinrich Ahrens wird etwa 1745/46 die Schule verlassen haben. Dann 4 Jahre Lehre, 2 Wanderjahre als Geselle und 2 weitere Gesellenjahre, bevor er Meister werden konnte. Der Chronist registriert nunmehr das Jahr 1753/54.

Es kann niemand sagen ob der Geselle auf der Wanderung nach Bernburg / Saale kam und schon dort die spätere Gefährtin seinen Lebens kennen lernte oder ob er erst als Meister in die Stadt kam. Genug der Überlegung, ! Wir wissen nur, daß er in. Bernburg seßhaft wurde und dort, 24 jährig, am 21. November 1756 in der St. Nikolai-Kirche die Ehe mit

Charitas Sophie Friederike Fricke

schloß, die am, 10.02.1735 in der Kirche St. Nikolai in Bernburg getauft worden war. Die Braut, übrigens die 6.Tochter ihrer Eltern, war somit fast 22 Jahre alt.

Eltern waren, der Hoftischlermeister Daniel Bartholomäus Fricke, geboren 1693 in Bernburg, und gestorben 17.06.1774, Bernburg, St. Nikolai) Und Johanna Elisabeth Schreyer geboren um 1700, in Bernburg, St. Marien(?), gestorben 26.07.1777 in Bernburg, St. Nikolai); die Ehe war am 23.11.1721 in der St. Marien-Kirche in Bernburg geschlossen worden.

Großvater der Braut war der Bürger und Pachtschäfer Christoph Fricke in Hoym, gestorben vor 1721, mütterlicherseits der Bürger und Tischlermeister Johann Friedrich Schreyer in Bernburg, gestorben am 4., begraben am 08.05.1735 in Bernburg (St. Marien). Die Großmutter väterlicherseits kennen wir nicht. Die Großmutter mütterlicherseits war Anne Elisabeth Friedemann. Wir wissen, daß sie am 31.10.1726 in Bernburg starb und am 03.11.1726, St. Marien, begraben wurde. Die Ehe Schreyer / Friedemann wurde am 19.11.1697 in Bernburg, St. Marien geschlossen.

Ein Enkel Gebhard Heinrich Ahrens, der Lehrer Friedrich Ahrendts (1805 - 1887) berichtet in seiner Biographie, daß der Großvater neben seinem Handwerk als Klempnermeister noch "ein ziemlich ausgebreitetes Handelsgeschäft mit Töpfen, Glas- und Holzwaren" betrieb. Der Enkel berichtet auch, daß der Großvater auch im Alter noch sehr rüstig war und sein Geschäft, in dem er von seinen Söhnen unterstützt wurde, nicht so bald aufgeben wollte. Er war 1800 seinem Sohne Johann Heinrich Daniel, geboren 1758, behilflich, sich in Dessau eine eigene Existenz zu schaffen.

In gleicher Weise half er auch seinem 3. Sohne Karl Friedrich Ahrens, geboren 1765, sich in Bernburg selbständig zu machen.

Der zweitgeborene Sohn, Johann Philipp Gebhard Ahrens, geboren 1761, übernahm nach dem Tode des Vaters (1809) "Geschäft und Kundschaft, für einen sehr billigen Preis", also im Rahmen der Erbauseinandersetzung. Dieses Haus war dreistöckig und massiv, sehr geräumig, und stattlich,

in geschäftlicher Hinsicht günstig gelegen, da es ein Eckhaus am Marktplatz war.

Von Gebhard Heinrich Ahrens gab es ein schönes Ölbild, das sich zuletzt im Besitz des Amtsgerichtsrates Heinrich Ahrendts (1883 - 1948) befand, aber in Breslau während der Zerstörung der Stadt 1945 mit vernichtet wurde. Ein Foto dieses Ölbildes blieb uns erhalten und wird der Chronik eingefügt. Es zeigt uns einen Mann mit schmalem Gesicht, leicht vorspringender Nase, schmalem Mund und hoher Stirnglatze. Die Haare des Hinterkopfes sind glatt angekämmt

und seitlich, die Ohren halb verdecked, gerollt. Schwarzer Halskragen und darunter im Jackenausschnitt Jabot (Brustkrause) vervollständigen den Eindruck friederizianischer Mode und Zeit.

Gebhard Heinrich Ahrens starb, fast 72jährig, am 24.4.1804 in Bernburg. Er hatte seine Frau Charitas Sophie Friederike geborene Fricke, die gleichfalls in Bernburg, am 09.06.1800, 65jährig, gestorben war (St. Nikolai) um nicht 4 Jahre überlebt.

Der Ehe entstammten 4 Kinder, von denen die Söhne gleichfalls für uns von großem Interesse sind:



1.

Johann Heinrich Daniel Ahrendts

geboren:

11.03.1758

Bernburg (St. Nikolai)

2.

Johann Philipp Gebhard Ahrendts

geboren:

22.03.1761

Bernburg (St. Marien)

3.

Friederica Wilhelmine Henriette Ahrendts

geboren:

24.04.1763

Bernburg (St. Marien)

4.

Karl Friedrich Ahrendts

geboren:

04.06.1765

Bernburg (St. Marien)

Diesem Bericht sollen einige Nachträge folgen:

Es ist richtig, daß zu Gebhard Heinrich Ahrens Paten der Onkel Johann Gebhard Ahrens gehörte. (Er war übrigens auch schon 1723 beim 2. Kinde der Eheleute Heinrich Christian Ahrens Pate.)

Weitere Paten waren "J"(was wohl Jungfrau heißen soll) Catharina Elisabetha Blancke(n) und Heinrich Tobias Mahner.

Bei Catharina Elisabetha Blancke handelt es sich zweifellos um eine Tante des Täuflings. - Wo Heinrich Tobias Mahner einzureihen ist nicht bekannt.

Wappen der Familie Ahrendts